Computertechnik
Kommunikation

Lifestyle Computer und Zwonullen

Schon die Hersteller der Waschmittel wissen seit vielen Jahrzehnten, dass der Mensch sich immer wieder eine Neuheit wünscht. Und wenn die Wäsche schon vor zwanzig Jahren noch so weiß war, das neue Produkt wäscht immer noch ein kleines bisschen weißer. Auch bei der Computertechnik, der Telekommunikation und im Internet hat sich dieses Prinzip längst bewahrheitet. Eine gewisse Zeit lang, galt es als besonders modern, wenn das Handy immer kleiner wurde, mit Einzug der Smartphones zeigte man mit seinem besonders großen Modell, wie modern das eigene Multimediagerät in der Tasche war. Schon in den 1980er Jahren verabschiedete man sich von der Folientastatur der ersten Computergeneration, mit den Smartphones wurde die vergleichbare virtuelle Tastatur wieder modern. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann die Wählscheibe des guten alten Telefons der Deutschen Post als große Innovation für das Handy angepriesen wird. Nicht selten sind es rein virtuelle Zahlen, wie zum Beispiel die Anzahl der Fotopixel bei Kameras und Handys, die zur Kaufentscheidung anregen. Man kann diese ja wunderbar einander gegenüberstellen. Auf die Qualität der Fotos haben sie dann oft keinen Einfluss mehr. Dies erinnert an den Wattvergleich von Stereoanlagenbesitzern in den 1980er Jahren.

commodore
© Dieter Schütz / pixelio.de
Auch die Internetnutzer freuen sich immer wieder über Innovationen, ob dies nun solche sind oder nicht. Früher hat man sich per Email zum Geburtstag gratuliert, heute tut man dies über das soziale Netzwerk. In den frühen Tagen des Internet diskutierte man im Usenet, später wurde das Web 2.0 als genau diese Innovation verkauft, die solches ermöglicht. Im Grunde genommen war das World Wide Web schon immer ein Web 2.0, nur waren der zweiten Generation der Internetnutzer die dafür benötigten Dienste nicht bekannt und als aus Diensten kommerzielle Produkte wurden, meinten viele, sie hätten etwas völlig neues entdeckt. Wer zu frühren Zeiten noch eine private Website in html ins Netz stellte, benötigt heute nur noch ein Profil in seinem bevorzugten Netzwerk. Dieses bietet zwar nur noch einen Bruchteil der Gestaltungsmöglichkeiten im Vergleich zu früheren Zeiten, aber es ist immerhin modern.

Geradezu grotesk zeigt sich diese Entwicklung, wenn Fernsehshows (insbesondere dann, wenn sie aufgrund des Lebensalters ihrer Moderatoren) meinen besonders modern wirken zu wollen, indem sie zumindest im Zehnminutentank einmal den Namen der großen sozialen Netzwerke nennen. Gleichzeitig beschränkt sich die Interaktion einer solchen Show dann meist auf Momente, die in früheren Zeiten über das Telefon ebenso gut abgewickelt werden konnten. Wo das Publikum frührer im Forum oder Gästebuch der Fernsehshow seine mehr oder weniger geistreichen Kommentare hinterlassen konnte, muss sich der geneigte Zuschauer nun einen Account im Social Network besorgen um dort zu kommentieren. Das bringt keinerlei Vorteile, ist aber modern.

Computer im Lifestyle Zeiten

Modern wirken auch Wahlsendungen und Politmagazine, in denen der Moderator einem Lifestyle-Computer nicht unähnlich, die aktuellen Statistiken über die tagesaktuelle Wahl oder die Beliebtheit von Politikern mit dem eigenen Finger auf der virtuellen Wand steuert. Er tippt einmal auf einen solchen Monitor und schon erscheint die nächste Statistik. Früher ging dies ohne Antippen der Wand und manchmal bekommt man das Gefühl, dass die einzelnen Umschaltungen im Geheimen doch von der Regie im Hintergrund getätigt werden, wenn ein neues Bild auch nach dem Antippen erst verzögert erscheint oder bereits aktiviert wird, bevor der Moderator seinen vermeintlichen Klick getätigt hat. Aber ganz so neu sind solche Phänomene nicht: Schon Willy Brandt löste mit einem großen Buzzer die Umschaltung zum Farbfernsehen aus und wie durch ein Wunder wurde das Bild bereits farbig, bevor sich seine Hand dem Umschalter auch nur genähert hatte.

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